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Malteser Gütersloh

Wer ist der Mann auf dem Tuch?

Ausstellung zum 60-jährigen Jubiläum im Alten Kapitelsaal eröffnet

13.03.2014
Der Eingang erinnert an die Grabsituation: Vorbei am Kreuz geht es durch die tonnenartige Tür in den alten Kapitelsaal, der heute unter der Erde liegt.
Extra zur Eröffnung war Malteser Präsident Constantin von Brandenstein-Zeppelin gekommen: Die Ausstellung hat meinen Glauben konkret gemacht.
Diözesanleiter Dr. Wolf van Lengerich, Ausstellungsmacher Michael Hesemann und Präsident Dr. Constantin von Brandenstein.-Zeppelin vor dem nachgebildeten Korpus aus den "Abdrücken" des Tuches.

Paderborn. „Ich habe die Ausstellung damals in Jerusalem gesehen, das hat meinen Glauben verändert“. Das Credo von Constantin von Brandenstein-Zeppelin war eindeutig. Die Fakten rund um das Turiner Grabtuch, wie sie derzeit im Alten Kapitelsaal des Paderborner Hohen Doms zu sehen sind, hätten seinen Glauben konkret gemacht. „Dafür bin ich dankbar und deshalb sind wir auch stolz, dass wir als Malteser diese Ausstellung präsentieren können“, sagte der Präsident des deutschen Malteser Hilfsdienstes bei der Eröffnung der vierwöchigen Ausstellung. Mit vielen Einzelstücken, einer Nachbildung des Tuches sowie einer Rekonstruktion des Korpus, der in das Tuch einmal eingewickelt war, sorgt die Schau mit ihren 20 Informationsstelen sowie den vielen wissenschaftlichen Stellungnahmen für großes Aufsehen. „Die Menschen sind zunächst still, erstaunt, zugleich aber auch dankbar für diese wissenschaftliche Einordnung des Grabtuches“, beschreibt Ernst Kuhnt die Reaktionen der bereits mehreren hundert Besuchern, die die Ausstellung schon gesehen haben. Kuhnt ist einer der vielen Ehrenamtlichen, die für die Malteser die Ausstellung beaufsichtigen sowie auf Anfrage auch Führungen anbieten.
Im Jahr 2007 hatte eine Gruppe von Geschäftsführern der Malteser gemeinsam mit ihrem Präsidenten eine Aufarbeitung der Ergebnisse zum Turiner Grabtuch in Jerusalem gesehen, erinnerte sich Mirjam Weisserth, Diözesan-Geschäftsführerin der Malteser in Paderborn. Bei einem Besuch im ersten Hospital, das die Malteser Ritter damals bei ihrer Gründung 1099 in Jerusaem errichtet hatten, war es auch um die Glaubensgrundlagen des heutigen Hilfsdienstes gesgangen. Sechs Jahre hatte es gedauert, dann war die Ausstellung teils nachgebaut, teils aber auch ganz neu zusammengestellt worden. Verantwortlich dafür zeichnete der anerkannte Autor und Dozent Micheal Hesemann. Ehrenamtlich hatte er sechs Jahre lang alle Fakten über das Grabtuch zusammengetragen und so das Gesamtbild gezeichnet, das jetzt im Paderborner Kapitelsaal zu sehen ist. Während Papst Benedikt XVI. beim Besuch des echten Grabtuches im Jahr 2010 mit Verweis auf das darin dokumentierte Leiden Christi gesagt habe „Wir sehen es im Licht des Karsamstages“, so sei es heute durch die moderne Wissenschaft möglich zu sagen „Wir sehen das Tuch bereits im Licht des Ostersonntages“, so Hesemann bei der Eröffnung in Paderborn. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen hätten den Schluss zugelassen, dass das Tuch exakt aus der Zeit Jesu Kreuzigung stamme, rollte Hesemann bei der Eröffnung der Ausstellung aus. Pollenanalyse, Vanillinuntersuchung, Staubanalyse, anatomische Rekonstruktion sowie Abgleich mit den Evangelien zeigten, dass es nicht mehr viele Zweifel geben könne an der Authentizität des Tuches. Besucher der Ausstellung im Alten Kapitelsaal können das nachvollziehen an rekonstruierten Kreuzigungsnägeln, an einer nachgebauten Dornenkrone, an der Restaurierung einer Lanze, wie sie die Soldaten damals nutzen. All das, so Hesemann, passe exakt in den geschichtlichen biblischen Kontext. Frühere Untersuchungen, die das Tuch als „Fälschung“ aus dem Mittelalter entlarvt hatten konnte Hesemann durch Verfälschungen von Proben aus geflickten Stelen des Tuches begründen.
Fragen, so machte Hesemann bei der Pressekonferenz zur Eröffnung deutlich, bleiben aber angesichts des echten Turiner Grabtuches. Denn es sei nicht erklärbar, wieso der Abdruck der menschlichen Gestalt darin so plastisch dreidimensional entstanden sei. Das Körperbild auf den Tuchfasern sei hauchdünn und das Produkt einer starken Vergilbung oder Ausdörrung der Fasern. „Das muss kurzfristig durch eine starke Strahlung entstanden sein“, lautete der einzig mögliche Befund der Wissenschaftler. Denn rein technisch sei solch ein Effekt zur damaligen zeit keinesfalls herstellbar gewesen, dazu hätten den Menschen einfach die Kenntnisse sowie technischen Möglichkeiten gefehlt. „Tatsächlich berichten die jünger, wie der Körper Jesu zu strahlen begann – nämlich im Moment der Verklärung auf dem Berg Tabor“, zitierte Hesemann aus dem Evangelium nach Matthäus: „Sein Antlitz strahlte wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.“ Ähnliches, so vermutet der Ausstellungsmacher, könne bei der Auferstehung passiert sein. Denn, da ist er sich mit zahlreichen Professoren einig: „Das Bild muss entstanden sein   , als das Tuch durch den Körper hindurchfiel, während dieser sich in Energie umwandelte und Strahlung abgab.“ Auch wenn das phantastisch klinge, allein so lasse sich der dreidimensionale Abdruck erklären.
Vier Wochen, bis zum 12. April ist die Präsentation der Fakten rund um das Turiner Grabtuch im Kapitelsaal zu sehen. Täglich außer Montags können Besucher durch den Kreuzgang vom Dom aus in die Ausstellung gelangen. Ein Gang, den Hesemann bei der Pressekonferenz im Generalvikariat bereits wie ein Sinnbild vorkam. Vorbei am übergroßen Kreuz mit dem leidenden Christus gehe es über die uralten Steine des Fußbodens der Urzelle des Domes in ein Tonnengewölbe, das an die Grabsituation erinnere. Direkt am Eingang dann empfängt die Besucher die Kopie des Grabtuches. Vorbei an den „Utensilien einer Kreuzigung und den Nachweisen der wissenschaftlichen Arbeit dann bildet die Nachbildung des Korpus des Mannes auf dem Tuch dann den Schlußpunkt. Dass dieser dem Korpus am Kreuz im Gang des Domes so ähnlich sieht ist für Hesemann nur ein weiteres Indiz in der Kette seiner Schlußfolgerungen zur Echtheit des Tuches.
Doch spätestens dann kommt auch der Glaube wieder ins Spiel. „Tuitio fidei et obseqium pauperum“, Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen, das sei es, was die Malteserritter seit Jahrhunderten leite und auch dem Malteser Hilfsdienst seit 60 Jahren Leitwort im Erzbistum  Paderborn sei, hatte dazu Dr. Wolf van Lengerich, ehrenamtlicher Diözesanleiter der Malteser ausgeführt. Nach Jahren, die stark durch Rettungsdienst, Sanitätseinsätze und Katastrophenschutz geprägt worden seien, stehe da das aktuelle Engagement der Malteser im sozialen Ehrenamt in der Zuwendung zu den schwachen Menschen wieder genau in dieser Linie des Leitwortes. Diese Ausstellung gerade im Jahr des 60-jährigen Bestehens zeuge davon.

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