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Malteser Gütersloh

Weltgeschichte mitgeschrieben

Malteser waren Ehrengäste bei der Einnerungsfeier an die Flüchtlingslager von Budapest

27.08.2014
Stephan Graf von Spee und Jürgen Plöger aus der Diözese Paderborn (stehend hinten) überreichten den Ungarn die Fahrräder aus ihrer Hilfsaktion zum 25-jährigen Jubiläum.
Gábor Csaba und seine Familie danken aus ungarn für die Räder, mit denen seine Familie nun mobil ist und die es den Kindern ermöglicht, in die Schule zu kommen.

Budapest/Paderborn. Die Malteser aus Paderborn sind zurück von einem fast historischen Fetakt. Mit 17 Teilnehmern waren sie zu den Feierlichkeiten zum 25jährigen Jubiläum der Grenzöffnung und Gründung des Ungarischen Malteser Caritasdienstes in Budapest eingeladen. Mit dabei waren die damaligen Helfer im DDR-Flüchtlingslager Friedhelm Schröder, Joachim Fromm, Wilfried Schild, Wolfgang Röver und Markus Bölte sowie Dr. Peter Freiherr von Fürstenberg. Die Eheleute Schiller, damalige Flüchtlinge und Lagerbewohner, die bereits bei der Eröffnung der Paderborner Ungarn Ausstellung im Mai im Kreishaus mit dabei waren, zeigten sich bewegt von der Flut an Erinnerungen, die dieser besondere Ort in ihnen auslöste.

Auf Einladung des Präsidenten des Ungarischen Malteser Caritasdienstes, Pfarrer Imre Kozma, erlebte die Delegation aus Paderborn das Festprogramm mit Podiumsdiskussionen. Dabei tauschte sie gemeinsame Erinnerungen mit anderen ehemaligen Helfern aus und hatte noch ein Geschenk der besonderen Art für die Gastgeber dabei: die Malteser der Diözese Paderborn hatten im Vorfeld 132 Fahrräder für Kinder und Erwachsene gesammelt, die dringend benötigt werden, um Schulen und andere Bildungs- und Kultureinrichtungen zu erreichen.
Unter dem Titel „Erste Hilfe in die Freiheit“ hatten Karl-Heinz Lieb aus Hövelhof und Wilhelm Grabe eine Ausstellung konzipiert, die die besondere Rolle der ehemaligen Malteser Jugendgruppe unter Leitung von Wolfgang Triller hervorhebt. Auch diese Ausstellung wurde den Ungarn übergeben. Der stellvertretende Diözesanleiter Stephan Graf von Spee und der Auslandsbeauftragte der Malteser in der Erzdiözese Paderborn Jürgen Plöger zeigten sich ebenso wie die Diözesanreferentin für den Auslandsdienst Petra Emig tief beeindruckt von der Festveranstaltung. Die bot mit einem feierlichen Gottesdienst und einem Abschlusskonzert am Abend einen würdigen Rahmen für alle geladenen Festgäste. Der Paderborner Wolfgang Triller erhielt den Gedenkpreis „Aufnahme“, ein Werk des Bildhauers Tibor Rieger sowie eine Gedenkmünze, die anlässlich des 25jährigen Bestehens des Ungarischen Malteser Caritasdienstes von der Ungarischen Nationalbank ausgegeben wurde.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigte, was vor 25 Jahren von den Maltesern aus Paderborn geleistet worden war: Am Nachmittag des 13. August 1989 musste die bundesdeutsche Botschaft in Budapest wegen Überfüllung mit DDR-Flüchtlingen geschlossen werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Diözesangliederung Paderborn bereits Kontakte nach Ungarn. Schon seit einem Jahr zuvor hatten umfangreiche Hilfslieferungen stattgefunden. Die Gründung des Ungarischen Malteser Caritas Dienstes (Magyar Máltai Szeretetszolgálat) wurde unterstützt. Noch in der Nacht vom 13. auf den 14. August startete dann eine erste Gruppe von Helfern zusammen mit Csilla Freifrau von Boeselager nach Budapest, ursprünglich um den Sanitätsdienst bei der Prozession zu Ehren des Hl. Stephanus mit vorzubereiten. Doch dazu kam eine völlig neue Herausforderung, denn nun wurden die Malteser von der Deutschen Botschaft um Hilfe gebeten. Es folgten zahlreiche Telefonate, um Hilfe und Unterstützung zu bekommen. Am 15. August wurde ein provisorisches Notaufnahmelager für DDR-Flüchtlinge im Pfarrgarten der Pfarrei zur Heiligen Familie auf Einladung von Pfarrer Imre Kozma eröffnet. Zunächst übernachteten die Flüchtlinge in eigenen Zelten, Trabis oder auf Decken im Kreuzgang des Kirchenkomplexes. Es waren überwiegend junge Paare und Familien mit Kindern dort. Die Probleme waren vielfältig, so wurde die Suppe zur Verpflegung der Flüchtlinge zunächst in der kleinen Küche des Pfarrhauses gekocht. Außerdem gab es nur eine einzige Toilette, vor der sich lange Schlangen bildeten. Am Nachmittag des 16. August traf dann der erste Hilfskonvoi aus der Erzdiözese Paderborn ein. Zudem gab es Lebensmittel-, Kleider- und Geldspenden aus der katholischen Pfarrgemeinde Zugliget.
Am 17. August traf dann ein weiterer Hilfstransport der Malteser aus Köln mit Feldbetten, Tischen und Bänken ein. Das Aufnahmelager wurde weiter ausgebaut und die Zeltstadt konnte dann 1.500 Flüchtlinge aufnehmen. Die Malteser aus der Erzdiözese Paderborn waren noch gemeinsam mit anderen Helfern aus München, Essen und Wien für drei Monate im Einsatz. Damit hatten sie gemeinsam mit allen Akteuren die größte Hilfsaktion im damaligen Europa gestartet, bei der innerhalb von drei Monaten 48.600 Menschen versorgt wurden. Der Ungarische Malteser Caritasdienst feiert diesen Tag seitdem in jedem Jahr als „Tag der Aufnahme“.

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