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Malteser Gütersloh

Schock und Beinbruch

Große Notfallübung auf dem Kleinen Domplatz

26.04.2015
Uwe hatte es als „Fahrer“ schwer getroffen, bei der Übung wurde er noch im Fahrzeug versorgt.
Den Unfallwagen hatte es schwer erwischt, daneben wurde Jan mit seinem offenen Beinbruch von den Maltesern versorgt. Gespenstisch realistisch dabei die Kulisse auf dem Kleinen Domplatz
So ein großes Team war notwendig, um die Übung mit drei verletzten auf dem Kleinen Domplatz durchzuziehen. Fotohinweis: alle Fotos: Malteser / Jan Braun

Paderborn. Blaulicht flackert von den Wänden des Doms reflektiert zurück auf den Platz, der Diesel des Notstromaggregates für die Flutlichtmasten brummt vor sich hin, um die ganze Szene zu beleuchten. Mitten auf dem Kleinen Domplatz in Paderborn steht ein zerbeulter Kleinwagen, ein heftiger Unfall hat ihn fast zerrissen. Drei Verletzte müssen von den Maltesern aus dem Wagen geborgen und versorgt werden. Dampfschwaden quellen aus dem Motorraum und machen die Arbeit der Retter auf dem regennassen Kopfsteinpflaster nicht leicht. Opa Uwe (70) und seine beiden Enkel  Jan (22) und Michelle (15) aus dem Auto sind schwer verletzt, für sie sind drei Rettungswagen angerückt, die Notärztin hat alle Hände voll zu tun. Notfallübung und Filmszenario zugleich war das, was die Malteser da am Freitag abend auf dem Kleinen Domplatz aufgebaut haben. Ein schwerer Unfall mitten in der Stadt, bildete die Kulisse für diese außergewöhnliche Aktion.

Realistisch bis auf den letzten Punkt, das war die Anforderung für diese Notfallübung. Und so hatte Elke Kollnischko-Hoppe von den Maltesern aus Brakel alle Hände voll zu tun, um gemeinsam mit ihrem Mann Michael die drei Verletztendarsteller zu schminken. Uwe hatte große Wunden im Gesicht, Prellmarken vom Gurt, die junge Michelle hatte allein Schnittwunden am Arm war aber täuschend echt mit allen Kennzeichen für einen Schock geschminkt. Jan hingegen hatte es am schwersten getroffen. Ein offener Oberschenkelbruch war bei ihm zu versorgen ebenso wie einige andere Schnittverletzungen. Für die Retter, drei Teams aus professionellen Rettungsassistenten und ehrenamtlichen Helfern der Malteser aus Paderborn, Rheda Wiedenbrück und Gütersloh keine leichte Aufgabe. Denn die Unfallstelle war so realistisch aufgebaut, dass von Beginn an aus der Übung ein echter Einsatz für die Retter wurde.

Viermal lautete die Ansage von Malteser Pressereferent Christian Schlichter: “ Alles auf Anfang“. Denn neben dem Übungsaspekt war den Maltesern auch wichtig, den gespielten Notfall mit Film und Foto zu begleiten. Der Paderborner Fotograf Jan Braun mit seinem Team dokumentierte alle Szenen, damit die Malteser sie später als Werbung für neue Ehrenamtliche nutzen können. Ein „Großschadensszenario“ mit absolutem Bezug zur Wirklichkeit. „Da lief alles genau so ab, wie es im wirklichen Notfall auch wäre“, beschreibt Pressereferent Christian Schlichter. Denn was realistisch rüberkommen solle, dürfe nicht nur halbherzig „gespielt“ sein, weiß er

Viele Unterstützer aus Paderborn hatten die Übung übrigens erst möglich gemacht: das Generalvikariat stellte den Platz, die Stadt Paderborn ließ extra die Straßenbeleuchtung ausstellen, der Unfallwagen kam von der Firma Kerstingjohänner aus Schloß Holte. Als Verletzte wurden Paderborner gewonnen, die sich auf das Abenteuer eingelassen haben. Für die Technik, Licht, Strom und Verpflegung sorgten letztlich die Technik Trupps der Paderborner und Gütersloher Malteser. Und dann rückten mitten in der Nacht auch noch Helfer vom THW mit einem riesigen Radlader mitten in der Stadt an, um den Unfallwagen wieder sicher abzutransportieren. Die Übung fand übrigens genau an der gleichen Stelle statt, wie vor 60 Jahren. Ganz zu Beginn der Malteser wurde auch dort auf dem Kleinen Domplatz geübt, wo jetzt das Konrad Martin Haus steht, war damals allerdings noch ein Trümmergrundstück.

Nach mehrstündigem Üben und Retten kehrte um Mitternacht auf dem Kleinen Domplatz dann wieder Ruhe ein. Spätestens dann stand fest: Verletzte versorgt, Unfallschäden beseitigt, alles ging wie gewohnt weiter. Wie im richtigen Leben eben.

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