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Malteser Gütersloh

Wir haben Zeit, zu warten

Staatssekretär lobt förderndes Konzept des Malteser Tagestreffs für dementiell Erkrankte

26.11.2015
Freuten sich über die den neuen Malteser Tagestreff nach Silviahemmet Konzept: Gräfin Johanna von Brühl, Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Diözesanreferentin Ilona Schäfer, Einrichtungsleitung Kirsten Purwin und Diözesangeschäftsführer Andreas Bierod (von links).
Den Besuchern eine klare Struktur zu geben, die sicher und qualitätsvoll zu gleich sei, mache die Besonderheit des Malteser Konzeptes aus, lobte Staatssekretär Karl-Josef Laumann in seiner Ansprache.
Der Dank des Staatssekretärs ging an den Malteser Diözesangeschäftsführer Andreas Bierod dafür, dass die Malteser mit ihrem neuen Angebot in Hamm eine Lüke in der Betreuung dementiell Erkrankter schließen.

Hamm. „Den Wunsch, auch im Alter zuhause zu bleiben, erkaufen sich viele Menschen durch Einsamkeit“. Und es seien viel Menschen, die einsam zuhause seien, wusste Karl-Josef Laumann zu berichten. Der Staatssekretär aus dem Berliner Gesundheitsministerium zeigte sich deshalb umso überzeugter von dem neuen Angebot des Malteser Tagestreffs (MalTa) für dementiell erkrankte Menschen in Hamm. Denn der komme genau seiner Forderung nach differenzierten Angeboten von Tagestreffs entgegen. Sogar noch mehr wusste der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung bei der Eröffnung der neuen Einrichtung Ende November unweit der Hammer Pauluskirche zu loben. Denn das MalTa greife bereits vor jeglicher Einordnung in Pflegestufen. Dort also, wo es vielen älteren Menschen um Sicherheit in ihrem Alltag und zugleich auch um Kommunikation gehe, lobte Laumann das Silviahemmet Konzept des Treffs, das die Malteser nun auch in Hamm umsetzen. Das MalTa findet sich in Hamm im Nordenwall 5 direkt am Stadtpark gelegen. Acht Gäste pro Tag, also 40 Besucher pro Woche können je nach Wunsch an einem oder mehreren Tagen in die Einrichtung kommen, Aktivierung und emotionale Zuwendung heißen die beiden zentralen Bausteine des Konzeptes.

„Wer in unsere Einrichtung kommt, der wird nicht weggebracht ins Heim, sondern der bleibt zuhause“, betonte Andreas Bierod, Diözesangeschäftsführer der Malteser aus Paderborn den besonderen Ansatz des MalTa. Mit der Einrichtung werde für dementiell Erkrankte die Lücke zwischen dem Leben zuhause und der Unterbringung in einer stationären Einrichtung geschlossen, sagt er. Den Mitarbeitern, neben dem qualifizierten hauptamtlichen Team auch Ehrenamtliche wie die Hammerin Eva Cremer, begleiteten die Gäste dabei mit einem „gezielten Nichtstun“. „Es dürfen Dinge herunterfallen, wir helfen auch nicht Menschen einfach ungefragt in die Jacke“, beschrieb Bierod. Vielmehr sehe es das Konzept des MalTa vor zu warten, was die Gäste noch selbst könnten und erst auszugleichen, wenn Dinge nicht mehr gingen. „Wir haben Zeit zu warten“, beschrieb Bierod den Malteser Ansatz auf die Stärken und nicht auf die Schwächen der dementiell Erkrankten zu schauen.

In den vergangenen Jahren, schilderte es Staatssekretär Karl-Josef Laumann in seiner Ansprache, sei in Hamm sehr viel in die Familien investiert worden. So sei die Kinderbetreuung mit der U3 Betreuung ebenso ausgebaut worden, wie das Schulsystem mit Ganztagseinrichtungen. All das habe dem Rechnung getragen, dass Mütter und Väter berufstätig seien. „Was wir aber nicht so gesehen haben ist, dass die Maßnahmen für den Mittelteil der Familien zugleich die Älteren übrig gelassen hat.“ Also sei es nur logisch, dass es jetzt auch darum gehen müsse, die Angebote für die Hochbetagten auszubauen. „Auch in Hamm werden wir in jedem Jahr zwei bis drei Prozent mehr Pflegebedürftige bekommen, also auch ebenso viele neue Leute benötigen, die sich um sie kümmern“, führte der Staatssekretär aus. Selbst wenn die häusliche Pflege so bleibe, wie bislang sei, müssten zu den 700tsd Menschen, die sich derzeit in der Altenhilfe engagierten jährlich 20tsd Menschen hinzukommen. Das Angebot unterschiedlicher Tagesstrukturen sei deshalb ein guter Beitrag, um diese Situation zu gestalten. Beim Malteser Tagestreff gefalle ihm, dass es dabei im ganz Besonderen um die Sorge um Menschen mit ihren ganz eigenen Lebensgeschichten gehe. Ihnen eine klare Struktur zu geben, die sicher und qualitätsvoll zu gleich sei, mache die Besonderheit des Malteser Konzeptes aus, lobte der Staatssekretär.

„Jeder Mensch muss so versorgt werden, wie er es braucht“, habe sie 2005 bei ihrem ersten Besuch in einer Einrichtung nach dem Silviahemmet Konzept in Schweden gelernt, berichtete Dr. Ursula Sottong, Fachstellenleiterin Demenz der Malteser aus Köln. Jeder müsse seine Lebensqualität und -perspektive behalten, auch im Alter und auch mit der Diagnose Demenz. Und so gehe es in den Malteser Tagestreffs nach dem Silviahemmet Konzept darum zu schauen, was die Menschen brauchten. Das sei zum einen Gesellschaft aber zum anderen auch die Anforderung, das noch zu tun, was sie könnten. „Wir wollen nicht pflegen, sondern wir wollen dort unterstützen, wo es notwendig ist“, brachte sie den Silviahemmet Ansatz auf den Punkt. Ihr besonderer Wunsch an den Staatssekretär war eine Änderung der Bestimmungen. „Wenn ich mir etwas zu Weihnachten wünschen darf von Ihnen dann das, dass künftig in der Altenhilfe auch weiche statt aus Hygienevorschriftsgründen nur gekochte Eier möglich sind“, sagt sie. In der Altenhilfe auch gemeinsam kochen zu dürfen, das sei einmal ein besonderer Wunsch. Er komme dem Konzept, Menschen in ihrer Persönlichkeit mit ihrer eigenen Würde und Persönlichkeit auch in einer Demenz zu begegnen, entgegen.       Christian Schlichter

Info: Der Malteser Tagestreff MalTa in Hamm im Nordenwall 5 hat von neun bis 15 Uhr an fünf Tagen die Woche geöffnet. Besucher können sich für einen oder mehrere Tage pro Woche anmelden, je nach Wunsch. Mittags wird gemeinsam gekocht, mit dem Kaffeetrinken endet der Tag in der Einrichtung. Neben der Arbeit mit den Gästen bietet das MalTa auch eine ausgeprägte Angehörigenarbeit mit monatlichen Treffen und Vorträgen an. Kontakt und Anmeldung bei Einrichtungsleitung Kirsten Purwin unter 0 23 81 / 30 45 44 2. Unterstützer und Spender sind zur Mitfinanzierung des Angebotes noch erwünscht.

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