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Malteser Gütersloh

Gambier findet neue Heimat in Lippe

Muhamed Kebbeh im Bundesfreiwilligendienst bei den Maltesern

10.11.2016
Muhamed Kebbeh (32) – Bundesfreiwilliger aus Gambia beim Malteser Fahrdienst.
Bundesfreiwilliger Muhamed Kebbeh mit dem speziell für Rollstuhl- und Liegendtransporte ausgestatten Malteser-Transporter. Fotos: Malteser/Buttchereit

Detmold/Paderborn. Erst vier Monate im Dienst und schon ist Muhamed Kebbeh (32) aus Gambia ein fester Bestandteil der Detmolder Außenstelle des Malteser Fahrdienstes. Als Ü27-Teilnehmer im Bundesfreiwilligendienst ist er in Detmold stationiert und fährt von dort aus Kranken- und Behindertentransporte. Matthias Kluth, Leiter des Malteser Fahrdienst bestätigt: „Muhamed Kebbeh hat sich sehr schnell eingearbeitet, Fahrkönnen und Ortskenntnisse sind top.“ Der Gambier glänzt vor allem mit sehr gutem Deutsch. Seit 2014 ist er in Deutschland und hat bereits Integrations- und Sprachkurse besucht.

Fahren hat Muhamed Kebbeh als Jugendlicher in Gambia gelernt. Allerdings ohne richtigen Fahrlehrer und Prüfung. Bei ausreichender Praxis wird dies in Deutschland sechs Monate geduldet; dann steht eine Überprüfung an. Aber auch die deutschen Fahrstunden und die Prüfung hat er ohne Probleme gemeistert.  Genauso hat er das interne Malteser-Fahrsicherheitstraining bestens absolviert. Derart gute Erfahrungen macht Matthias Kluth nicht zum ersten Mal. Die Dienststelle der Malteser hat bereits mehrere Bufdis mit ausländischem Wurzeln beschäftigt. Darunter Koffi Dom Kekeli Nomenyo aus Togo, Afrika und zwei Paare aus Brasilien, die ebenfalls im Fahrdienst der Malteser tätig waren und sind. „Das ist bei uns gelebte Integration“, bekräftigt der Leiter des Fahrdienstes, der den Neuankömmlingen auch in praktischen Dingen, wie der Wohnungssuche, zur Seite steht.

Dabei sah die Zukunft des jungen Muhamed in Gambia gar nicht so positiv aus. Früh verstarb sein Vater. Die Mutter war mit zwei Kindern nun alleinstehend und ein längerer Schulbesuch war für ihn auch aus finanziellen Gründen nicht möglich. So hält sich Muhamed und seine Familie  mit diversen Jobs im benachbarten Senegal sowie in Mali und Elfenbeinküste über Wasser. Eine Anstellung als Touristenguide eines gambischen Hotels macht ihm zwar viel Spaß, bietet aber langfristig keine Perspektive. Da nutzt er die Chance nach Barcelona zu gehen, um dort einen gut bezahlten Job anzunehmen. Eine Entscheidung, die ihm nicht leichtfällt, muss er doch seinen Sohn bei der Oma in Gambia zurücklassen.

Aber Job-mäßig läuft es gut in Spanien, Muhamed fühlt sich wohl in Europa. Er reist nach Deutschland und besucht seinen Bruder Muhamadou in Bielefeld.  Dort lernt bei einer Salsa-Party seine heutige deutsche Frau kennen und lieben. Seit fast drei Jahren sind die beiden nun verheiratet und haben ihren gemeinsamen Lebensmittelpunkt in Lippe gefunden. Ihr großer Wunsch ist es, den mittlerweile 9jährigen Sohn bald nach Deutschland zu holen. Im Januar hat Muhamed Kebbeh seinen ersten längeren Urlaub, den er unbedingt für einen Heimatbesuch  in Gambia und ein Wiedersehen mit seinem Sohn und der Familie nutzen will.

Bis dahin gilt es aber noch einige Kilometer in Lippe für die Malteser zu fahren. Dank seiner guten Deutschkenntnisse ist der Kontakt zu seinen Fahrgästen offen und freundlich. Wegen seiner Hautfarbe hat Muhamed Kebbeh bisher keine negativen Reaktionen erfahren müssen. Kleinere Missverständnisse werden mit viel Humor schnell ausgebügelt. Der gebürtige Gambier sieht das Bufdi-Jahr als optimale Vorbereitung für sein weiteres Arbeitsleben in Deutschland und freut sich jeden Tag auf seine Fahrgäste und Kollegen.

Auch Radio Lippe wurde auf Muhamed Kebbeh durch den Artikel in der Lippischen Landeszeitung aufmerksam. Ausschnitte aus dem Interview mit Reporterin Natascha Wittmaak hören Sie hier.

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