Navigation
Malteser Gütersloh

"Überall lagen verletzte, schreiende Menschen"

Großübung mit neuer Dekontanimation im Kreis Gütersloh

11.09.2012

Kreis Gütersloh. Das war schon ein richtig großer Aufmarsch von Helfern: Über 550 Hilfskräfte von Feuerwehr, Maltesern, THW, DRK und ASB haben sich jetztzu einer Großübung in Borgholzhausen (Kreis Gütersloh) getroffen. Übungsziel war es, das neue Modul Dekon-V NRW, eine Dekontaminationseinheit, mit der bis zu 50 Schwerverletzte versorgt werden können, unter möglichst realitätsnahen Bedingungen zu testen.

Dazu stellte die Firma Kraftfahrzeug Nagel ihr Gelände zur Verfügung, welches sich aufgrund der Größe für die Übung anbot. Im Übungsszenario wurde davon ausgegangen, dass bei einem Brand auf einem LKW-Anhänger eine gefährliche, unbekannte Substanz austritt. Als dann um zehn Uhr eine Rauchbombe gezündet wurde und kurze Zeit danach die Feuerwehr am Unglücksort eintraf, bot sich den Frauen und Männern ein schreckliches Bild: Überall um den Anhänger herum lagen verletzte, schreiende Menschen.


Im nächsten Schritt wurde MANV-Alarm ausgelöst und die ABC-Einheit des Kreises Gütersloh alarmiert, damit die 50 Verletzten, dargestellt von Mitgliedern der Jugendfeuerwehr, fachgerecht versorgt werden konnten. Nun kommen die Malteser aus Rietberg in Spiel. Sie stellen einen Teil der Besatzung des Decon-V Moduls. Der Abrollbehälter, der beim Löschzug Brockhagen stationiert ist, konnte erstmals in so großem Rahmen ausprobiert werden. In der Einheit werden die Patienten von den Sanitätern der Malteser Rietberg und den Feuerwehrleuten entkleidet, ihre Wunden erstversorgt und dann werden die Patienten einer intensiven Reinigung, also Dekontamination und Desinfektion, unterzogen. Dabei tragen die Helfer gelbe ABC-Schutzanzüge, die sie vor den Gefahrenstoffen schützen sollen. Die Anzüge sind absolut dicht und verfügen über eine spezielle Luftzufuhr. Dieses hat zum Nachteil, dass die harte, körperlich sehr anstrengende Arbeit der Patientenversorgung zusätzlich erschwert wird, gerade bei Temperaturen, wie sie bei der Übung herrschten. Eine Station weiter stehen Sanitäter und Feuerwehrleute in silbernen Schutzanzügen, die die gesäuberten Patienten in Empfang nehmen, sie abtrocknen und an eine Sichtungseinheit übergeben.

Die Ärzte in der Sichtungseinheit entscheiden dann, je nach Schwere der Verletzungen, wie der Patient weiter behandelt wird.
Nach dem Sichtungszelt stehen mehrere Zelte mit medizinischer Ausrüstung bereit, die Patienten aufzunehmen und weiter zu versorgen. Das DRK stellte hier das nötige Personal. Von dort aus werden sie von einem Patiententransportzug (PTZ) ins Krankenhaus gebracht. Der PTZ wurde vom Einsatzleitwagen der Malteser aus Gütersloh koordiniert. Markus Ruse vom DRK Herzebrock-Clarholz und Andreas Tyzak von den Güterslohern Maltesern leiteten diese Einheit. Ihnen unterstanden fünfzehn Fahrzeuge, mit denen bis zu zwanzig schwer verletzte Personen transportiert werden können.

Zeitgleich zur Patientenversorgung brachen Erkundungstrupps der Feuerwehr auf, die Ausbreitung der Rauchwolke festzustellen und an die Einsatzleitung zu melden. Im Falle eine Ausbreitung von gefährlichen Substanzen müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden, zum Beispiel Anwohner gewarnt oder sogar evakuiert werden. Zusätzlich traf das Modul Analytische Task Force, kurz ATF, aus Dortmund ein. Bei der Berufsfeuerwehr Dortmund ist eins der sieben bundesweit verteilten Module stationiert. Die speziell ausgebildeten Feuerwehleute können einer unbekannten Substanz in ihrem mobilen Labor einen Namen geben. Dies ist so wichtig, damit zum Beispiel die Ärzte die Patientenversorgung ideal abstimmen können oder der Gefahrstoff richtig gehandhabt werden kann.

Im Anschluss an die Übung gab es für alle Helfer eine Mahlzeit, zusammen gekocht von den Kräften des THW, des DRK und des MHD. Auch dies eine größere Aufgabe, es mussten insgesamt über 550 Helfer, 50 Mimen und eine größere Gruppe an Beobachtern der Stadt und des Kreises Gütersloh, der Hilfsdienste und weiterer Organisationen, versorgt werden.

 

 

Fotos: 

Sven-David Vormittag von den Maltesern aus Rietberg rüstet sich aus, um mit einem Arzt eine Vorsichtung bei den Verletzten durchzuführen, bevor sie in die Dekontaminationsschleusen gebracht werden. Dafür muss er einen ABC-Schutzanzug anziehen.

Bevor die Patienten gewaschen werden können, werden sie entkleidet und von den Rietberger Maltesern erstversorgt. Diese bedecken zum Beispiel die Wunden, nachdem sie desinfiziert wurden, um sie bei der Wäsche nicht zu vergrößern oder zu verschlimmern.

Bilder und Text: Eike Breustedt, Leitung Einsatzdienste der Diözese Paderborn

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE06370601201201216865  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7